Doppelte Dividende mit nachhaltigen Kapitalanlagen: Das Tonn Investments Magazin hat sich mit Bernhard Schorn unterhalten, dem Advisor der Nachhaltigkeitsstrategie des Tonn Family Offices. Schorn befasst sich bereits seit über 20 Jahren mit Nachhaltigkeit und hat die rasante Entwicklung der nachhaltigen Kapitalanlagen seitdem beobachtet.

Tonn Investments Magazin: Herr Schorn, wie hat sich das aktuelle Modethema Nachhaltigkeit gewandelt in den letzten Jahren?
Schorn: Zum einen ist den Anlegern ist das Thema erfreulicherweise deutlich klarer geworden und sie sind besser informiert. Zum anderen hat sich das Volumen der Anlagen in den letzten fünf Jahren verzehnfacht auf über 220 Milliarden Euro. Expertenprognosen sehen eine noch enormere Steigerung in den nächsten Jahren.

Tonn Investments Magazin: Wie macht sich der aktuelle Nachhaltigkeitsboom bei der Kapitalanlage bemerkbar?
Schorn: Der Boom zeigt sich in der sprunghaft gestiegenen Nachfrage und dem sprunghaft gestiegenen Angebot an grünen Kapitalanlagen. Dieses hat sich inhaltlich weiterentwickelt. Früher ging es hauptsächlich um den Ausschluss von kritischen Themen. Heute liegt der Fokus mehr auf Zukunftsthemen: Wie lässt sich die Lösung der großen Themen unserer Zeit beschleunigen?

Tonn Investments Magazin: Es gib viele verschiedene Definitionsansätze, wie definieren Sie nachhaltige Kapitalanlage?
Schorn: Mit der Nachhaltigkeitsstrategie können Anleger eine doppelte Dividende erzielen: Einen finanziellen Gewinn und zugleich einen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft. Nachhaltige Geldanlagen sind grundsätzlich solche, die Nachhaltigkeitskriterien explizit in ihre Anlagebedingungen einbeziehen. Diese prüfen wir. Dabei setzen wir auf Ausschlusskriterien für kritische Themen. Außerdem auf Positivkriterien für besonders gute Aspekte. Nur ein „best-in-class“ Ansatz für relativ gute Ergebnisse reicht uns nicht. Hier wird viel „Greenwashing“ betrieben, also ein grünes Mäntelchen umgehängt.

Tonn Investments Magazin: Müssen Anleger sich zwischen Rendite und Nachhaltigkeit entscheiden?
Schorn: Sehr interessant ist, dass sich nachhaltige Anlagen langfristig besser entwickeln als konventionelle. Zum Beispiel haben nachhaltige Indizes in rund 88 Prozent der Fälle besser performt als konventionelle. Anleger haben also dieselbe oder eine bessere Renditechancen. Und das mit gutem Gewissen!

Tonn Investments Magazin: Verfolgen Sie vor allem ökologische oder auch soziale und ehtische Prinzipien? Können Sie Beispiele geben?
Schorn: Ja, bei ökologischen Themen steht der für uns alle elementare Klimaschutz im Mittelpunkt. Auf der anderen Seite sind die Wahrung der Menschenrechte und ausbeuterische Kinderarbeit zentrale Themen. Als beispielsweise Apple wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen in die Kritik kann, haben wir die Fonds angeschrieben und Aufklärung gefordert. Wichtig ist uns auch die freie Wasserversorgung. Wenn die lokale Bevölkerung durch ausländische Konzerne von der Trinkwasserversorgung ausgeschlossen wird, sehen wir das sehr kritisch.


 
Stand: Juni 2021